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blogpost: true
date: 1.1.2006
author: Tobias
location: Stuttgart
category: Imported, 2006, Misc
tags: imported, 2006, misc
language: Deutsch
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# 3-Wort-Sätze

## Prolog

Alles fing damit an, dass ich mal wieder auf dem Rückweg von der Uni in
der Bahn saß und es ungefähr die Zeit war, zu der die meisten Schulen
die ihnen zur Bildung anvertrauten Jugendlichen nach Hause zu schicken
pflegen.

An der Haltestelle meiner ehemaligen Schule stiegen dann auch einige
ebensolche zu. Unter anderem waren darunter auch eine Gruppe ca 16-17
jähriger junger Männer, die sich gegenseitig ziemlich rüde behandelten
und sich gegenseitig unentwegt Beleidigungen an den Kopf worfen.
(Fachsprache: Sie haben sich \"gedisst\") Dies scheint allerdings in
diesen Kreisen unter \"Freunden\" nicht unüblich zu sein, da ich dieses
Phänomen schon häufig, bei disjunkten Mengen von Personen betrachtet
habe.

Da nun jedoch diese Leute ihre Beleidigungen in einer Lautstärke
austauschten, die noch aus dem Getöse der vollen Bahn hervorstach hörte
ich unweigerlich zu - und stellte fest, dass die jeweiligen Personen nur
ganz kurz sprachen und dann wieder den Worten der anderen lauschten.
Dies erweckte meine Aufmerksamkeit, da es ja in anderen Kreisen durchaus
üblich ist, dass eine Person einen längeren Monolog hält und die anderen
solange entspannt zuhören können. Bei diesen Jugendlichen jedoch
wechselten die Personen, die das Wort ergriffen als würden sie sich
gegenseitig Ping-Pong Bälle zuspielen. Die Schnelligkeit dieses Wechsels
kam vor allem daher, dass die gewechselten Sätze eine Länge von 3 oder
maximal 4 Wörtern hatten und jeweils prompt beantwortet wurden. Auch gab
es nur ca 3 unterschiedliche Satzstukturen.

Als die Gruppe ausgestiegen war lenkte sich meine Aufmerksamkeit auf 2
Schüler, die wohl so in der sechten Klasse sein mussten. Mir fiel sofort
auf, dass sie die selbe Form der Kommunikation benutzten - jedoch nicht
um Beleidigungen auszutauschen, sondern für informationskommunikative
Zwecke. Ich schrieb mir ein paar Sätze auf um sie eventuell später zu
analysieren:

> Gehst du Fussball?

> Was machssu? - Staatsgallerie gehen.

> Was machst du GFS?

(GFS = Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen, ein benotes
Referat)

## Analyse

Mir kam der Gedanke, dass dies - sinnvoll eingesetzt eine sehr
effiziente Art der Kommunikation sein muss:

-   schnelle Information


-   sofortige Rückfragen möglich


-   Keine überflüssigen Füllwörter


-   Normierter Satzbau


-   -\> Leicht verständlich und deshalb schnelle Antwortzeiten


-   -\> Man braucht nicht über die Sprache sondern nur über die
    Information nachzudenken.


-   -\> Die relevanten Informationen werden schnell und prägnant
    vermittelt


-   -\> Echtzeit-Kooperation und Diskussion ohne langes Zuhören

**Folgende Satzbauregeln fielen mir auf:**

### Frage:

\<Verb\> \<Subjekt\> (\<Objekt\>\|\<Adjektiv\>)?

Gehst du Stadt?

Bist du blöd?

\<Fragewort\> \<Verb\> \<Subjekt\> \[\<Objekt\>\]?

### Satz/Antwort:

\<Subjekt\>\<Verb\>\<Objekt\>

-\> Ich geh Stadt

\<Objekt\>\<Verb\> - wenn das Subjekt klar ist

-\> Was machssu? - Schlossplatz gehen.

### Sonstiges:

\"du\" wird oft mit dem voranstehenden Wort verbunden:

machst du -\> machssu

Eine persönliche Adressierung wird oft mit dem Wort \"Alder\" vollzogen.
Hierbei fällt das Subjekt weg, oder das \"Alder\" bekräftig die
Adressierung:

Was machst du -\> Alder, was machst?

Bist du dumm? -\> Bis*su* dumm, Alder?

Damit komme ich zu den möglichen (sinnvollen) Anwendungsgebieten dieser
Form der Kommunikation:

-   produktives Teamwork, P2P \[acdef=Peer to Peer - dezentrales
    Netzwerk\]P2P\[/acdef\]
-   unpersönlicher, zeitkritischer Informationsaustausch
-   bei der Kommunikation von einfacheren Sachverhalten mit vielen
    Rückfragen

Letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass was vielleicht als
Erkennungsmerkmal puberierender Jugendlicher begonnen hat durchaus in
anderen Bereichen praktischen Nutzen haben kann - sofern alle Teilnehmer
diese Art der Kommunikation beherrschen. Jedoch scheint mir das *analog
zur Stenographie* die zwar auch sehr schnell vollzogen werden kann,
wobei die *Informationen nicht für jeden zugänglich* sind.

Für mich jedenfalls ist diese Kommunikationsform ungeeignet - ich
brauche eine gewisse Reaktionszeit, bevor ich die Frage verstanden habe
und eine relevante Aussage machen kann. Außerdem höre ich gerne zu und
erfreue mich dann und wann an kunstvoll gestrickten Sätzen.




