Das Geheimnis des Lernens: Wie Fähigkeiten aufeinander aufbauen

Das Geheimnis des Lernens: Wie Fähigkeiten aufeinander aufbauen#

Fähigkeiten die man lernt, bauen aufeinander auf, wie Steine in einem Haus. Ohne ein solides Fundament sind viele Fähigkeiten unerreichbar

Wenn man frisch geboren ist, kann man nichts außer schreien und Essen. Mit der Zeit kann ein Baby strampeln. Dann krabbeln. Später ganz wacklig auf geradem Boden ein paar Schritte machen. Auf einer Wiese gehen. Rennen. Fußball spielen. Alles baut aufeinander auf: Wenn man nicht lernt zu laufen, wird man nie Fußball spielen können.


Als ich klein war und in der Schule rechnen lernen sollte, sagten die Lehrer

„Du musst rechnen lernen, im Leben wirst du nicht immer einen Taschenrechner dabei haben“.

Hahaha, hatten die unrecht. Mit meinem Handy habe ich NATÜRLICH immer einen Taschenrechner dabei. Da hätte ich gar nie rechnen lernen müssen. Oder etwa doch?

Inzwischen muss ich sagen, ich will gar nicht immer mein Handy rausziehen. Mit etwas Übung geht das Rechnen wie von selbst, ohne dass ich mich anstrengen muss.

Ich weiß noch, wie meine Mutter mich als kleinen Knirps mit einem 5 Mark Schein nach nebenan in den Schlecker geschickt hat, um etwas zu kaufen. Sie sagte als Belohnung darf ich mir noch einen Schokoriegel vom Restgeld kaufen. Klein Tobi sammelt also ein wofür er gekommen ist, und suchte sich noch ein Duplo raus. An der Kasse den Schein hingehalten. Und dann sagt die Kassiererin

„Das Geld reicht nicht. Hast du noch mehr?“

Eventuell gab es ein kleines Drama und Tränen, aber am Ende ging ein stinksaurer kleiner Tobi OHNE Schokoriegel nach Hause zurück. Die Preise hatten sich erhöht - und dann hatten die 5 Mark halt nicht mehr für beides gereicht. Und ich wollte eine lange Zeit nicht mehr alleine einkaufen.


  • Wenn ich heute im Supermarkt 20€ dabei habe und zwei Milch, Eier, und Mehl kaufe, will ich wissen, ob es noch für eine Salami reicht ohne das Handy rausholen zu müssen.

  • Wenn ich im Restaurant eine Rechnung von 19,80€ habe, aber die Bedienung super war und das Essen mega lecker. Wie mache ich das mit dem Trinkgeld?

  • Wenn die nächste Bahn in 5 Minuten kommt, aber ich nur eine Haltestelle fahren will - laufe ich dann lieber?

Geht mit ein wenig Übung im Kopf schneller als man braucht um das Handy aus der Tasche zu ziehen.

Aber das ist nur die erste Stufe der Leiter.

  • Wenn das Gulasch für 2 Personen gerade so in den 1,5 Liter Topf passt. Kann ich dann für 3 Leute den 2 Liter Topf nehmen?

  • Wenn an der Kasse von 49,99€ nochmal 30% Rabatt abgezogen werden, wieviel muss ich dann zahlen?

  • Wie viele Quadratmeter hat meine Wohnung?

  • Welches Kreditangebot ist das günstigste, wenn teilweise noch ein Bausparvertrag, verschiedene Laufzeiten und verschiedene Zinsen involviert sind?

  • Wie funktioniert asymetrische Verschlüsselung?

  • Wie kann ChatGPT Text generieren, ohne dass dort ein Mensch sitzt?

  • Wie lange muss mein Passwort sein, damit es in 15 Jahren noch keiner Knacken kann?


Alle diese Fragen erfordern Mathematik. Und das ist nur der Anfang. Denke daran, dass du auf vielen Gebieten Wissen und Fähigkeiten benötigen wirst, um erfolgreich durchs Leben zu gehen. Hier sind einige weitere Beispiele:

  • Allgemeinbildung: Geschichte, Geografie, Biologie und Chemie sind nicht nur Schulstoffe, sondern helfen dir, die Welt besser zu verstehen. Warum es passiert, was passiert – woher das Wissen stammt, und wie Wissenschaft funktioniert.

  • Sprache: Beherrschst du deine Muttersprache gut? Wenn ja, hast du einen großen Vorteil. Wenn nein, arbeite daran. Und lerne eine zweite Sprache! Es eröffnet dir neue Möglichkeiten und hilft dir, andere Kulturen zu verstehen.

  • Technik: Wie funktionieren Maschinen und Geräte? Wie baue ich etwas selbst? Diese Kenntnisse können dir in vielerlei Hinsicht nützlich sein, sei es beim Reparieren eines Geräts oder beim Bauen eines eigenen Projekts.

  • Kreativität: Malen, Musizieren, Schreiben – alles, was dich inspiriert und dein Denken erweitert. Kreativität hilft dir, Probleme auf neue Weise zu lösen und dich auszudrücken.

Es geht also nicht nur darum, Mathematik zu lernen, sondern auch darum, ein breites Spektrum an Fähigkeiten zu entwickeln. Jede Fähigkeit, die du erlernst, bildet das Fundament für neue Fähigkeiten. Und je stabiler dieses Fundament ist, desto höher kannst du aufbauen.

Ohne zu verstehen, warum sich die Erde dreht und wie eine Rakete im Detail funktioniert, wirst du nie Astronaut werden. Um diese Dinge grundlegend zu verstehen brauchst du Mathematik, aber auch Physik und viele andere Kenntnisse. Keiner fängt damit an die Rakete zu verstehen. Man muss unten bei den Grundlagen anfangen und in die richtige Richung weiter lernen. Am Ende ist es wie der Weg in die Schule. Deine Eltern, Lehrer, und alle anderen Menschen können dir eine Richtung zeigen. Aber am Ende musst du ihn selbst kennen, um jeden Tag ohne Hilfe in die Schule zu kommen.

Und aller Anfang ist schwer. Etwas neues zu lernen erfordert immer, dass du dich anstrengst. Mal ein bisschen, mal sehr viel. Aber je mehr ähnliche Dinge du schon gelernt hast, desto leichter wird es.

Vielleicht kommt es dir nicht so vor - aber durch tägliches Lernen, lernst du unheimlich viel.

Deine Hausaufgaben in der zweiten Klasse werde ich im Kopf ohne großes Nachdenken lösen können. Die Hausaufgaben in der siebten Klasse kann ich dir vielleicht erklären. Bei den Hausaufgaben in der zwölften Klasse kann ich vielleicht manchmal Lösungshinweise geben. Und wenn du nicht gerade Informatik studierst werde ich deine Hausaufgaben an der Uni vermutlich nicht einmal verstehen.


Andersrum muss einem manchmal nur ein einziger Schritt in der Kette fehlen, damit einem der nächste wie Zauberei vorkommt. Wer nicht laufen kann, für den scheint es unerreichbar zu sein je Fußball zu spielen. Wer die Physik nie gelernt hat, wie ein Kühlschrank funktioniert - für den ist es Zauberei. Jeder kann für sich entscheiden, ob er es lernen will und kann. Und es ist völlig ok nicht alles zu lernen - wenn man sich dann aus dem Thema heraushalten kann.

Es ist NICHT ok, Experten, die viel auf einem Gebiet gelernt haben, als Dummköpfe hinzustellen, nur weil du sie nicht verstehst. Stelle gerne Fragen und lerne. Finde raus, wie jemand gelernt hat, was er gelernt hat.

Und sei vorsichtig: Von dem, was man weiß - weiß man alles. Und von dem was man nicht weiß - weiß man nichts. Da fällt es einem leicht zu sagen „Ich kenne mich überall gut aus“, weil man den Weg zur Schule, zum Kindergarten und zum Einkaufen kennt. Aber darüber hinaus gibt es den Nachbarort, die nächste Großstadt. Ein fernes Land. Den Mond. Jeder Mensch weiß etwas, das du nicht weißt, und kein Mensch hat immer recht. Und nur, wer nicht lernen möchte wie etwas funktioniert ABER viel darüber redet - DER ist ein Dummkopf.


Wenn du dir ganz, ganz sicher bist, dass du etwas nicht können willst und nie darauf aufbauen musst - dann schummle. Lasse deinen Aufsatz von ChatGPT schreiben. Rechne mit dem Taschenrechner. Hole dir einen Attest für Sport. Fahre mit dem Taxi zum Nachbarn.

Aber wenn du dir nicht sicher bist: Häng dich rein, bleib dran. Schritt für Schritt. Und freue dich, wenn du etwas neues gelernt hast.

Denke daran: Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken und zu erlernen. Sei neugierig und offen für neue Erfahrungen. Du wirst sehen, wie viel mehr du erreichen kannst, wenn du bereit bist, ständig dazuzulernen.