Samstagmorgens#
Samstag morgen. Ich wache davon auf, dass mir die Sonne direkt zum
Fenster hinein ins Gesicht scheint.
„Langschläfer!“ drängelt sie, während sie mich mit ihren
unerbittlichen Strahlen in der Nase kitzelt.
„Willst du den ganzen Tag verschlafen?“.

„Mu“ denke ich. Das Chinesische Wort für „Die Frage ergibt keinen
Sinn“.
Die einzige Antwort auf Fragen wie „Hast du aufgehört, deine Frau zu
betrügen?“.
Aber ich schweife ab. Natürlich will ich auf keinen Fall diesen schönen
Sommertag verschlafen.
Ich möchte schwimmen gehen, barfuß auf der Wiese tanzen und Eis essen.
Aber ich möchte JETZT auch NICHT aufstehen.
Es ist ja allgemein bekannt, dass die Sonne im Juni manchmal etwas früh
dran ist.
Schlaftrunken öffne ich die Augen, und kneife sie wieder zusammen.
Dann beschließe ich eine dritte Partei zu konsultieren.
Das ist meistens eine gute Idee, wenn man sich nicht sicher ist.
Man muss aber sehr genau aussuchen, wen man fragt.
Als ich neulich eine Freundin gefragt habe, ob ich den
Motorradführerschein machen soll.
Da bekam ich als Antwort, dass ich umziehen solle nach Ludwigsburg. Weil
meine Wohnung nicht angemessen sei.
Und abgesehen von einem seltsamen Gefühl hat mir das nicht viel
gebracht.
Darum wollte ich dieses mal alles richtig machen.
„Alexawiespätisses?“ frage ich verschlafen. Keine Antwort. Die gute
schläft wohl auch noch.
Kein Wunder, wahrscheinlich wurde sie von ihrem Kumpel „OkGoogle“ die
ganze Nacht wachgehalten.
Weil der jedes mal aufschreckt, wenn im Film irgendwer „Ok“ sagt, und
dann servil seine Dienste anbietet, während er mit einem Popup das
Fernsehbild verdeckt.
„Alexa! W i e s p ä t i s t es ?“ frage ich nochmal. Diesmal mit
vorwurfsvollem Unterton.
Das scheint zu ziehen.
Wahrscheinlich habe ich sie schon beim ersten mal aufgeweckt, und ihr
sind im Schnelldurchlauf eben diese Gedanken ebenfalls durch die
elektronischen Schaltkreise gesprintet. Und dann war ihr diese
Verzögerung peinlich, und sie hat lieber so getan als würde sie noch
schlafen.
Denn nach wenigen Millisekunden kommt dieses mal die Antwort: „Es ist
sechs Uhr einundfünfzig“.
Ha! Es ist also tatsächlich noch mitten in der Nacht, die Sonne
übertreibt maßlos und ich kann noch miiindestens eineinhalb Stunden
schlafen.
Naja, oder halt den Laptop ins Bett holen, diese Geschichte
aufschreiben, und dann auf den Markt gehen.
Bevor die Schlangen vor den Ständen dort länger sind, als die Abstände
dazwischen.
„SONNE!“ Sage ich. „Ich stehe auf. Aber NICHT wegen dir. Das war
meine freie Entscheidung. Ist das klar?“
„Mu“ sagt die Sonne.